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Es ist 111 Gezeiten. Das Eintauchen in die Wasserwelt beginnt und endet in Linz.
Sie befinden sich im Sog des fließenden Theaters, das Ihnen auf Ihrer Wanderung zu anderen Ufern während der kommenden 26 Stunden immer wieder begegnen wird. Seine Protagonisten übernehmen verschiedene Funktionen:
Als Zugschaffner, Matrosen und Zöllner sind sie das lebendige Leitsystem, lenken die Besucherströme, erheben die Zölle und kennen die Gezeit, während Ihre Erscheinung zeitlos ist. Als Bademeister, Nixen, Rattenfänger und Gatschhüpfer locken sie die Gäste ins Wasser und geben sonderbare Anordnungen: ‚Blubbern Sie blau, sie strömen!’. Gezeitenfischer, die an mehreren Plätzen entlang der Lände sitzen, fischen unendlich langsam Zeichen aus dem Wasser, die sich nach und nach zu einem alles verbindenden Metasatz ergänzen, der aus der Perspektive des Herabschwimmenden lesbar sein wird. Mancher wird Sie um Hilfe bitten, im Wirrwarr der Buchstaben einen neuen Sinn zu erfinden. Tiefseetaucher widmen sich dem Rezitieren eines Potpourris aus philosophischen Texten zu Schwimmen, Tauchen, Kreisläufen, Wiederholungen, Sinnverlust, Oberfläche von unten betrachten. Der Text ohne Zentrum.
Buchwäscherinnen waschen die Inhalte überholter Literatur im Fluss aus, während Gezeitenfischer und Gäste aus frisch geangelten Buchstaben versuchen neue Wörter und Texte zu setzen und Schwimmer und Nichtschwimmer haben auch nach stundenlangem Disput nicht zur Synthese Ihrer Wertesyteme gefunden.
Buchstabenmarkt, Ging + Gong, Flaschenpostler, Wellenmeer, Phonotop, Blubberblasenchor, Herr Stör, die Märenausschenker, Metasatz und das Frühstück mit Fischen addieren sich nur dann zur ganzen Geschichte, wenn Sie sich gehend stromaufwärts und schwimmend stromabwärts bewegen.
Kulturbaden besteht aus drei Hauptelementen:
Der Veranstaltung Kehrwasser – Bilder, die zeitlich und räumlich erwandert werden müssen, während Geschichtsstränge in mehreren Ebenen durch die Szenen fließen.
Der Papierschiffwerft als Produktionszentrum von seetauglichen, bemannten Papierschifffen, in der von Juni bis August Workshops gebucht werden können.
An jedem Sonntag nach Kehrwasser: ‚Ottensheim schwimmt Linz‘ mit der Zwölfkilometermusik.
Teile des Bühnenbildes wie Schaukeln und Plattformen werden über den Sommer der Öffentlichkeit zum Baden, Spielen und Übernachten unter freiem Himmel zur Verfügung stehen.
In der Inszenierung Kehrwasser wird im öffentlichen Raum eine surreale Welt geschaffen. Durch das Vertauschen von wirklicher Welt und Fiktion wird zwischen Protagonisten und Besuchern eine Spannung hergestellt, um die sogenannte Normalität zu hinterfragen. Zu diesem Zweck werden Gäste teils aktive Bestandteile der Szenen, die nur durch deren Präsenz zu ihrer Vollständigkeit gelangen. Das fließende Theater zieht sich als immer wieder auftauchendes Element durch die ganze Veranstaltung. Es mischt sich unter die Menge, taucht immer wieder auf in Form von Szenen, die nicht immer gleich als Theater erkannt werden können. Es gibt keine stringente Handlung sondern verschiedene Ebenen und Kreisläufe, die übereinanderliegen und ineinandergreifen. Die sichtbaren Gestalten werden durch unsichtbare ergänzt, mit denen nur die BürgerInnen der Parallelwelt kommunizieren können.
In der letzten Szene wir der Bademeister sich laut fragen, ob er den Ertrinkenden nun retten soll, oder ob es für diesen nicht besser sei, ihn ertrinken zu lassen.
Der Grundgedanke von Kulturbaden und der Bespielung Kehrwasser ist das ständige Durchwandern und Durchbrechen des ‚Horizontes’, den die Wasseroberfläche darstellt. Kehrwasser heißen jene Bereiche im Fluss, bei denen sich die Strömung flussaufwärts kehrt. Ein tragendes Bild ist für uns der Fluss, der in ständigem Wechsel über die Ufer tritt, Topografie, Sprache und Menschen formt.
Ottensheim tickt anders. Fiktiver Auslöser für die Andersartigkeit der Bewohner Ottensheims ist folgendes Ereignis:
Nicht allein das unaufhörliche Strömen des Flusses, das doch die Gefahr birgt, das Gehirn aus seinem knöchernen Gefäß zu spülen, sondern eine mutige Handlung hat sie Alle – jene, die da in dieser neuen Realität agieren, verändert: Sie… hatten schon einmal den Mut zu ertrinken, sich von einem Donaustrudel in die Tiefe ziehen zu lassen. Sie haben sich getraut, gegen den Strom zu schwimmen. Sie haben den Horizont durchquert. Die Anderswelt spielt mit dem Wechsel von Dieseits und Jenseits. Intention der BürgerInnen ist es daher, den Gästen den Einstieg in Ihre Welt zu ermöglichen, die lebendiger und witziger, teils aber auch unverständlich und schildbürgerhaft erscheint.
Daher sind die Kehrwasserweltler stets bestrebt, die Besucher in die Fluten zu locken.
Die Einführung eines ortsbezogenen Zeitsystems und Rückwärtszählens als eine Hinführung auf den Nullpunkt, versinnbildlichen das absolute Eintauchen ins Element.
Intention des Projekts ist eine intensive Verwebung der Flußlandschaft mit den künstlerischen Aktionen, um ein sinnliches Gesamtkunstwerk, die Metamorphose eines Ortes zu schaffen.
Schauplatz ist die Donauuferlinie, das Areal von der Mühlkreisbahnhaltestelle Dürnberg, die Schiffsanlegestelle Ottensheim über die ‚Überfuhr’ bis zum Lido – dem Ottensheimer Sandstrand.
Unter dem Stichwort ‚Dilettantenprojekt’ ist die Einbindung von Laien in den Prozess als Mitträger des Projektes wesentlicher Bestandteil. Zudem werden Ökologie, Verkehr und Ortsentwicklungsthemen mitbedacht.
Ging + Gong = 1 Gezeit. Ging gingt es, wenn die Überfuhr in Wilhering anlegt, Gong gongt es in Ottensheim und eine Gezeit ist vollendet.
Die Gezeiten werden rückwärts gezählt, denn wir bewegen uns gegen den Strom in Richtung Donauursprung.
Während der Veranstaltung Kehrwasser werden in Ottensheim die Uhren anders ticken. Die Fähre – im Volksmund ‚Überfuhr’ genannt, ist das große Pendel das den Takt angibt. Die Ottensheimer Drahtseilbrücke ist eine Rollfähre, die sich ausschließlich mittels Antrieb der Strömung von einem Ufer zum Anderen bewegt. Unsere Zeiteinheit umschreibt den Zeitraum, den die Fähre benötigt um einmal hin- und her zu fahren. Während des Kehrwassers wird die Ottensheimer Kirchturmglocke bei jedem Anlegen der Fähre (ca. alle 13 Minuten) ein Mal läuten. Dieses Läuten ist das Signal für die Wächter der Zeit, die Protagonisten des fließenden Theaters, ihre tragbaren Ziffernblätter weiterzublättern. Sie dienen dem Publikum als gehende Uhren. Alle Veranstaltungen sind im Programmheft in Gezeiten angegeben. Kehrwasser beginnt bei 111 Gezeiten (um ca. 14.00h MEZ = MittelEuropäischer Zeit und wird bis auf 0 Gezeiten heruntergezählt, bei dem dann das Linzschwimmen beginnt. Eine OGZ (Ottensheimer Gezeit) ist jedoch keine Konstante die sich exakt auf MEZ umrechen lässt, denn Ihre Dauer wird vom Wasserstand, dem Ostwind und dem Schiffsverkehr auf der Donau beeinflusst.
10 Wächter der Zeit sind ‚gehende Uhren‘, die die akutelle OGZ auf Ihren Körperzifferblättern anzeigen.

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Theater
Vagabundieren
Visuals
Volkskultur
Wasser
Zeichen am Körper
Zeit
Kulturbaden

Stationentheater im öffentlichen Raum

Konzept | Drehbuch

2008

Kulturbaden erzählt in Metaphern die Geschichte eines Ortes, der anders tickt.
Zentraler Gedanke ist das ständige Durchwandern und Durchbrechen des Horizontes, den die Wasseroberfläche bildet.
Kehrwasser heißen jene Bereiche im Fluss, bei denen sich die Strömung flussaufwärts kehrt. Diese Umkehr der Fließrichtung des Wassers wird durch Wirbelbildung hinter angeströmten Hindernissen in Fließgewässern hervorgerufen und tritt an der Donau zumeist in den Uferzonen auf. Kehrwasser versinnbildlicht also sich gegen den Strom zu bewegen.
Ein tragendes Bild: Der Fluss der in ständigem Wechsel über die Ufer tritt, Topografie, Sprache und Menschen formt.
Themen wie Kreisläufe ohne Zentren, Raum- und Zeitverschiebung, Kopf-Verlieren, Kind-Sein und Eintauchen, ziehen sich durch das gesamte Konzept.
Die einzelnen Szenen werden im Programmheft nicht nur in ihrer geographischen horizontalen Anordnung entlang der Uferlinie, sondern auch in ihrer vertikalen Anordnung über und unter dem Wasserspiegel angezeigt, sei es im realen Raum oder auf metaphorischer Ebene.
Die Einführung einer eigenen Zeiteinheit – die Gezeiten – deren Taktung bei ca. 13 Minuten liegt, ist das Mittel zur Entschleunigung. Das Rückwärtszählen eine Hinführung auf den Nullpunkt
– das Absolute Eintauchen ins Element.
Ging + Gong, Wellenmeer, Phonotop, Herr Stör, die Märenausschenker, Metasatz und das Frühstück mit Fischen addieren sich nur dann zur ganzen Geschichte, wenn die Gäste sich gehend stromaufwärts und schwimmend stromabwärts bewegen.

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Auftraggeber:
Linz09

Beteiligte:
Klaus Hagenauer, Wodo Gratt

Ai Wei Wei
Amina
ars electronica
Christoph Draeger
ELEVATE
Festival der Regionen
Hans Kropshofer
Heidrun Holzfeind
Jardin d'espoir
Judith Luger
Karl Unterfrauner
Klaus Hagenauer
linz09
Mamadou Ndiaye
Mathias Kniepeiss
Ramtin Asadolahzadeh
Regionale 10
rhizom
Stefan Busch
Tita Lang
Vladimir Arkhipov
Walter Niedermayer
Wodo Gratt