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Einleitung:
Nach dem intensiven Studium des Themas und der Anforderungen sprangen mir zwei kaum vereinbare Gegensätze ins Auge:
Der Idealstadtenwurf, der sich im Thema widerspiegelt, versus die Präsentation einer vorhandenen kulturellen Identität. Eine kulturelle Identität zu präsentieren erinnert an die vielen Versuche der Erschaffung eines Kulturleitbildes. Eine solche kulturelle Identiät gibt es nicht, sie müßte erst geschaffen werden und ist somit zum Scheitern verurteilt – sehr wohl gibt es aber kulturelle Identitäten.
‚Österreich steht im Rahmen der Weltausstellung vor der Herausforderung, seine kulturelle Identität und seine gesellschaftlichen Perspektiven … zu vermitteln.’ (Zitat aus dem Ausschreibungstext)
Für die Lösung komplexer städtebaulicher Probleme, vor die uns die schnellwachsenden Metropolen unseres Globus in den nächsten Jahrzehnten stellen, scheinen mir die, großteils für ländliche Projekte tauglichen erwähnten Low–Technologien wie Strohhaus, Lehmhaus,
Holzbau etc. nicht geeignet, sollen aber im Österreichischen Auftritt trotzdem ihrem Platz finden.
Da keine exisitierende österreichische Stadt dem Idealbild der City of Harmony entspricht und unter diesem Aspekt vorzeigenswert wäre, habe ich meinen Focus auf die Entwicklung eines Idealstadtentwurfes gelegt – einem Blick in die Zukunft, bei dem wissenschaftliches, technisches und künstlerisches Know-How auf der höchsten Stufe verschmolzen werden.

Konzept:

Teil 1 – High Tech:
Die ideale Stadt der Zukunft ist ein organisches, selbstwachsendes (und auch sterbendes) Lebewesen, dass bestimmten von den Gestaltern und Planern entwickelten Parametern in seinem Wachstum folgt. Denken wir dabei an Zellteilung wie bei der Entstehung eines Embroys oder auch an das Wachstum von Pilzen.
Für diese Planungskompetenz wird eine Software geschrieben, die in der Lage ist aus Datenbanken, Echtzeitdaten und 3D Datenbanken nach den Vorgaben von Architekten und Designern selbstwachsende Städte zu generieren. Für die EXPO 2010 sollen Rechnercluster, wie jene, die derzeit für die Berechnung von Wetterdaten zum Einsatz kommen, unseren Idealstadtentwurf berechnen.
Selbstwachsend daher, da das System stets durch die Anbindung an Echtzeitdaten sich an die Veränderungen in der Stadt anpasst und somit neuen Zellen wachsen lässt oder auch nicht mehr gebrauchte absterben lässt. Einmal gestartet läuft das System völlig autark, während Designer und Architekten aber stets die Möglichkeit haben, korrigierend durch das Verändern von Parametern einzugreifen. Die Gestalter legen die zu entwicklenden Grundformen (Flächen, organische Formen) anfangs fest.
Dies erscheint im ersten Moment als pragmatischer, unbeseelter Zugang – ist es aber nicht, denn:
Die Gesamtgestaltung ergibt sich aus einer Komposition aus wissenschaftlichen und statistischen Daten unter der Beimengung von bewusst eingesetzten gestalterischen Mitteln.
Folgende Grundprinzipien sollen in die Konstruktion einfließen, ihre Gewichtung kann durch Verändern der Werte stärker oder weniger stark formbestimmend sein: Ökologie, Verhältnis bebaute Fläche/Grünfläche, Energiespartechnologien, Raumverteilung, demographische Daten, Verkehrsentwicklung, soziale Aspekte, vorhandene Rohstoffe, Klimadaten, Wirtschaftsentwicklung, Industrielle Schwerpunkte, technische Machbarkeit… etc.
Als gestalterische Grundelemente werden folgene Faktoren die Würze bringen:
– Parallele Flächen können aus lärmschutztechnischen Gründen nicht wachsen
– Für den Rhythmus des Wachstums der Gebäude rechnen wir die Musik von Mozart in Echtzeit um, die auch die Klangkulisse des Landschaftsgartens ist
– Grünflachen und Bäume können sich in allen Niveaus befinden
– Für das Musterprojekt wird als Grundlage die Topographie der Alpen adaptiert
Wer einmal selbst visuell programmiert hat, kennt die unendlichen gestalterischen Möglichkeiten, die sich durch mathematische Berechnungen auftun und neue Horizonte erschließen lassen.

Teil 2 -Low Tech:
Oder wie befehle ich einem Baum in der Form eines Hauses zu wachsen?
Als Gegenüberstellung der Hightech Entwicklungen, symbolhaft für Österrreich als Standort
von Biotechnik, Ars Electronica und erstklassigen Fachhochschulen werden der Bereich Baubotanik (Weidenkonstruktionen), Lehmbau, Zellfo-Produkte und andere Low-Tech Innovationen präsentiert.

Präsentation in Shanghai:
Das gesamte Areal wird als Landschftsgarten mit alpinem Charakter gestaltet.
Im Zentrum befindet sich eine Arena.
Dort wird ein Muster der selbstwachsende Stadt als begehbares Modell in einem Maßstab von 1:3 in einer inszenierten Baustelle nachgebaut – ein Gebäude mit 60 m Höhe hätte demnach dort 20 m Höhe, ein Raum mit 3 m Höhe nurmehr 1 m – er verleiht also dem Besucher die Möglichkeit in den 1. oder 2. Stock der Gebäude hineinzusehen.
Dafür muss ein Modulsystem entwickelt werden, das die Anforderungen des Zellwachstums in
der Simulation nachempfindet.
Hier sollen technische und architektonische Innovationen aus Österreich zum Einsatz kommen.
Der Maßstab 1:3 verleiht dem Besucher das Gefühl der Riesenhaftigkeit.
Das Szenario sieht eine Großleinwand hinter/über dem Modell vor, auf der das langsame Wachstum in der Simulation zu beobachten ist.
Mit Ausstellungseröffnung steht bereits eine Grundstruktur, bestehend aus einigen Zellen, die
innerhalb der 2 Monate ständig ausgebaut wird.
Im Austellungsbereich oberhalb können sich die Gäste auf vielen kleinen Computer-Stationen in einer vereinfachteren Version anhand einer Maske Modellstadtentwürfe für Ihre Heimatstädte oder jeden anderen Ort der Welt ausrechnen lassen, indem sie ein paar notwendige Daten eingeben.
Die Architektur der übrigen Gebäudezellen im Areal ist wiederum auf dem selben Modulsystem aufgebaut – hier aber 1:1
Im Landschaftsgarten findet ebenfalls die Präsentation der Baubotanik Raum.

Afrika
Alpen
Architektur
artificial life
Baden
Dachstein
Designobjekt
Digital
Dokumentation
Donau
Experimentelles
Fisch
Flüchtlingsboot
Garten
Gesellschaft der Zukunft
Installation
Landschaft
Medien
Mikrokosmos
Mode
Museum
Musik
Öffentlicher Raum
Performance
Politische Intervention
Projektion
Raumkonzept
Recycling
Regionalentwicklung
Rendering
Schrift
Silberschmiede
Stadtutopie
Strassenkinder
Tanz
Textilobjekt
Theater
Vagabundieren
Visuals
Volkskultur
Wasser
Zeichen am Körper
Zeit
Cellular City

Die selbstwachsende Stadt

Vision | Ausstellungskonzept

2009

Die für die heutigen Anforderungen einer Stadt notwendige Fülle an Informationen und Daten kann von menschlichen Gehirnen nicht mehr erfasst werden. Städtebauliche Konzepte zu entwickeln gleicht den Herausforderungen einen menschlichen Körper in seiner komplexen Funktionalität nachzubauen.
Die wissenschaftlichen Disziplinen rücken sich näher, Schnittstellen und interdisziplinäres Zusammenarbeiten aus den verschiedensten Bereichen mehren sich in jenem Maße, in dem ihre Grenzen verschwimmen.
Davon ausgehend, dass die Natur der komplexeste Baumeister ist, während menschliche Entwicklungen oft vereinfachte Modelle natürlicher Vorbilder sind, impliziert die Vermutung, dass wir in Zukunft die zu bewältigenden Planungsaufgaben angesichts Ihrer Größenordnung nicht ohne Hilfe von ausgeklügelten Rechensystemen werden bewältigen können.

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